30 Jahre SCC 1976 - 2006  
Wie alles begann

Als nach dem 2. Weltkrieg die größte Not überwunden war, glaubte man, der Neugewonnene Lebensmut der Bevölkerung würde sich in gelungenen Karnevalsveranstaltungen äußern. Außerdem hätten die jungen Leute in Bezug auf Tanzveranstaltungen einen großen Nachholbedarf.

Diese Begebenheit nutzend, fanden in Strehla 1946 erstmals an drei Tagen Faschingsveranstaltungen statt. Mit vielen Mühen hatte man den Lindenhofsaal dekoriert und auch eine Rutschbahn aufgebaut. Es waren gelungene Veranstaltungen, an die sich sicher noch mancher erinnern kann. Obwohl dieser Fasching ein guter Anfang eines neuen Volksvergnügens gewesen wäre, blieb es nur auf dieses eine Jahr beschränkt.

Anfang der fünfziger Jahre wurden dann, wahrscheinlich auf „ höhere Anforderung “ hin, in fast allen größeren Städten der damaligen DDR Karnevalsveranstaltungen durchgeführt. Unter anderem auch in Riesa. Allerdings machte nicht nur das Vergnügungsbedürfnis der Bevölkerung und Kostüme einen Karneval aus. Ein derartiges närrisches Treiben benötigt eine bis ins Einzelne gehende Organisation und viele Stunden aufopferungsvolle Vorbereitung.

An nötigen Initiativen fehlte es damals in den meisten Städten. Deshalb konnten sich derartige Veranstaltungen in vielen Orten nicht durchsetzen. Auch in Strehla blieb es nur bei einem Kinderfasching in der Gaststätte „Kleine Bastei“, einem Faschingsvergnügen der Sportgemeinschaft, oder als solche Veranstaltungen noch nicht unerlaubt blieben, einem Maskenball im „Schiffchen“.

Durch einen derartigen Kinderfasching angeregt, fasste Rolf Fleck den Entschluss, auch für Erwachsene ein Faschingsvergnügen zu organisieren und zu diesem Zweck einen Festausschuss zu gründen.

Wer wäre wohl bereit eine solche Aufgabe mit zu tragen? Nach mehreren Rücksprachen erklärten sich Herr Gerhard Teichmann, Frau Maria Wendrock und Herr Erich Knott zur Mitarbeit an diesem Festausschuss bereit.

Konstituierung des Festausschusses

Die erste Sitzung dieses Gremiums fand am 30. Juli 1976 statt. Sie hatte das Ziel, im Frühjahr 1977 einen Fasching zu organisieren. Bei der Verteilung der Verantwortlichkeiten wurde festgelegt, dass der Festausschuss unbedingt erweitert werden musste, um eine Überlastung der einzelnen Mitglieder auszuschließen. Die Suche nach weiteren Mitgliedern begann von neuem.

Herr Bernd Gölling und Herr Manfred Müller waren gewillt, bei der Organisierung eines Faschingsvergnügens mitzuarbeiten. Die Aufgaben verteilten sich folgendermaßen:

Rolf Fleck Gesamtverantwortung
Gerhard Teichmann Getränkeversorgung
Gerhard Thalmann Werbung und Propaganda
Maria Wendrock Protokolle
Erich Knott Bau und Aufstellung der Rutschbahn
Bernd Gölling Texte und Gags
Manfred Müller Dekoration, Gestaltung des Saales

Zur besseren Vorbereitung der Veranstaltung tragen auch Frau Lotte Fleck, Herr Frank Naumann und Herr Walter Kreiser dem Festkomitee bei. Sie übernahmen folgende Aufgaben:

Lotte Fleck Abrechnung, Finanzen
Frank Naumann Entwürfe, Dekoration, Bauten
Walter Kreiser Plakate, Dekoration, Malereien

Als Stammkapelle wurden „Die Belcantos“ aus Riesa verpflichtet.

Viele Stunden ihrer Freizeit opferten die Mitglieder dieses Festkomitees bei der Vorbereitung der Veranstaltungen, um den Strehlaer Fasching zu einem kulturellen Höhepunkt in unserer Stadt werden zu lassen.

Dann war es soweit. Der Saal war geschmückt, Plakate forderten zum Besuch der Faschingsvergnügen auf. Die Mitglieder des Festausschusses erfasste das Lampenfieber und man hoffte, nichts vergessen zu haben, und dass der Fasching gut ankommen werde.

Die ersten Veranstaltungen fanden noch unter keinem bestimmten Motto statt. Die Eintrittskarten kosteten 4,10 M, wobei der Groschen die Kulturabgabe an die Stadtkasse darstellte.

Der Lindenhofsaal war sehr schön dekoriert worden. Als Blickfang hing eine riesige Traube aus 350 Luftballons von der Saaldecke herab. Sie war von einem großen achtzackigen Stern umgeben, der mit Luftschlangen geschmückt war. An den Wänden waren Bilder angebracht worden, die zu einer ungetrübten Faschingsstimmung motivierten. Das Dekorationsmaterial war dankenswerterweise zum großen Teil vom VEB Reifenwerk Riesa zur Verfügung gestellt worden. Natürlich gehört zu einem Faschingsvergnügen auch ein satirischer Vortrag, die Büttenrede. Dort werden Missstände oder Ungerechtfertigkeiten aufs Korn genommen. Die erste Strehlaer Büttenrede hatten immerhin 19 Verse.

Bei diesem Fasching ist die neue Rutsche in Betrieb genommen worden. Sie führte von der Galerie bis vor die Bar. Obwohl anfänglich noch Schwierigkeiten auftraten, wurde die Rutsche von den Narren rege in Anspruch genommen.

Der Bau dieser besonderen Attraktion hatte Kosten in Höhe von 3.278,48 M verursacht. Für eine besondere Einlage sorgten Frank Wehner und Werner Weller. Sie stellten auf der Bühne einen Wachehaltenden Krieger, der von Lilli Marleen verführt wird, dar. Dies führte die Stimmung im Saal auf den Höhepunkt.

Als das Publikum danach gefragt wurde, ob am 11.11. ein Schürzenball veranstaltet werden solle, stimmten alle voller Begeisterung zu.

Bei diesen Veranstaltungen wurde Herr Joachim Schlegel als elftes Mitglied in den Festausschuss aufgenommen. Damit hatte sich der Elferrat konstituiert. Gleichzeitig war damit die Voraussetzung geschaffen, aus dem Fasching einen zünftigen Karneval zu entwickeln. Die sieben Veranstaltungen wurden annähernd von 1700 Interessenten besucht.